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Schluckbeschwerden: Ursachen und Behandlung

50 Muskeln sind am Schluckvorgang beteiligt, der etwa 1.000-mal am Tag stattfindet – das passiert automatisch und in der Regel unbewusst. Das fein aufeinander abgestimmte Zusammenspiel von Nervensystem, Mund, Rachen, Speiseröhre und zugehöriger Muskulatur rückt erst dann in den Vordergrund, wenn Schluckbeschwerden bestehen – hier gibt es viele Ursachen und Behandlungsoptionen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Probleme beim Schlucken sind nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich – sie können zu einer Lungenentzündung oder Atemnot führen.
  • Es gibt viele Ursachen für Schluckbeschwerden, die von harmlosen Infekten bis hin zu Schluckstörungen reichen.
  • Bei ausgeprägten oder langanhaltenden Beschwerden sollten pflegende Angehörige mit ihrem Familienmitglied einen Arzt aufsuchen.
  • Bei einer Dysphagie, also einer Schluckstörung, können Logopäd:innen therapeutisch ansetzen.
  • Für Menschen mit Schluckstörungen ist es besonders wichtig, dass sie ohne Ablenkung essen, am besten Mahlzeiten mit einer breiigen Konsistenz.

In der Regel harmlos: Schluckbeschwerden durch Infekte

Bei Infekten sind Schluckbeschwerden, wie ein Kloß im Hals, meist mit von der Partie. Normalerweise werden sie von Halsschmerzen begleitet. Doch warum fällt das Schlucken im Krankheitsfall so schwer? Hierfür gibt es gleich mehrere Erklärungen:

  • Entzündete Schleimhäute: Viren oder Bakterien können eine sogenannte Pharyngitis, also eine Rachenentzündung, verursachen. Klassischerweise schwellen dabei die Schleimhäute an und reagieren gereizt. Genau das gestaltet das Schlucken schmerzhaft und unangenehm.
  • Vermehrte Schleimbildung: Der Körper besitzt einen cleveren Mechanismus, um Krankheitserreger aus dem Körper zu schleusen, er produziert Schleim. Haben sich die Keime im Schleim „verfangen“, werden sie über die Flimmerhärchen, die die Luftwege auskleiden, nach oben transportiert und beispielsweise über den Mund ausgeschieden. Sammelt sich Schleim im Rachen, stellt sich vor allem beim Schlucken schnell ein Kloßgefühl ein.
  • Geschwollene Mandeln: Die Mandeln haben im Normalfall eine Größe, die das Schlucken nicht erschwert. Sind sie allerdings entzündet, schwellen sie an, was Ihr Angehöriger durch Halsschmerzen und bei ausgeprägten Beschwerden auch durch Schluckbeschwerden in Nähe des Kehlkopfs spüren kann.
  • Trockene Schleimhäute: Pflegebedürftige, die überwiegend durch den Mund atmen, geben oft an, einen trockenen Hals zu haben – auch das kann den Schluckvorgang unangenehmer machen.

Gut zu wissen

Bei Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden sollten Sie auch immer an einen Reflex denken. Dabei fließt Magensäure vom Magen zurück in die Speiseröhre und verursacht dort Reizungen. Neben Schmerzen hinter dem Brustbein kann es auch zu Schluckbeschwerden kommen. Ihr Familienmitglied räuspert sich bei einem Reflux womöglich auffällig viel oder berichtet von einem Fremdkörper- und/oder Engegefühl im Hals.

Schluckbeschwerden: Dysphagie als Ursache

Hinter Schluckbeschwerden kann auch eine Schluckstörung, eine sogenannte Dysphagie, stecken. Dabei läuft eine oder laufen sogar mehrere Schluckphasen nicht normal ab. Unter anderem bei Patient:innen mit Morbus Parkinson oder nach einem Schlaganfall kann beispielsweise eine verzögerte Schluckreflexauflösung dazu führen, dass der Kehldeckel der Luftröhre nicht richtig oder zu spät schließt, Ihr Angehöriger kann sich dadurch stark verschlucken. Schluckstörungen können aber auch durch Speiseröhrenerkrankungen oder chirurgische Eingriffe im Bereich des Rachens und in der Mundhöhle entstehen. Ältere Menschen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, eine Dysphagie zu entwickeln. Jede fünfte Person weist ab dem 55. Lebensjahr eine Schluckstörung auf. Wohl auch, weil altersbedingte Veränderungen, wie ein Muskelabbau, ein Risikofaktor für eine Dysphagie sind. Übrigens können schlechtsitzende Prothesen das Kauen erschweren und somit den Schluckvorgang beeinträchtigen.

Wann sollte ich bei Schluckbeschwerden eine Praxis aufsuchen?

Schluckbeschwerden können eine Reihe an Komplikationen nach sich ziehen. Ihr Angehöriger kann sich durch den erschwerten Vorgang stark verschlucken – das kann zu Atemnot oder zu einer Lungenentzündung führen. Menschen, die Schluckbeschwerden beim Essen oder Trinken haben, verweigern häufig die Aufnahme. Dadurch droht eine Mangelernährung oder eine Dehydration. Deshalb ist es wichtig, bei länger andauernden oder ausgeprägten Schluckbeschwerden im Hals eine ärztliche Praxis aufzusuchen. Vereinbaren Sie für Ihren Angehörigen auch dann einen Arzttermin, wenn Beschwerden bestehen, die Sie nicht direkt mit dem Schluckvorgang in Verbindung bringen, wie Heiserkeit, Gewichtsverlust oder häufiges Aufstoßen.

Was tun bei Schluckbeschwerden?

Was bei Schluckbeschwerden hilft, ist von der jeweiligen Ursache abhängig. Manchmal reicht ein wenig Geduld bis zur Gesundung aus, in anderen Fällen sind Medikamente oder andere Therapien nötig.

  • Was hilft gegen infektbedingte Halsschmerzen? Haben die Halsschmerzen einen vergleichsweise harmlosen Grund, gibt es einige Hausmittel, die Sie bei Schluckbeschwerden ausprobieren können. Dazu gehören wohltuende Tees, Dampfinhalationen, warme Halswickel und eine Luftbefeuchtung, um die Schleimhäute feucht zu halten. Das reicht aber nicht immer aus. Wenn Ihr Familienmitglied beispielsweise eine durch Bakterien ausgelöste Mandelentzündung hat, kann die Einnahme eines Antibiotikums nötig sein.
  • Was tun bei Halsschmerzen durch eine Schluckstörung? Sind die Schluckbeschwerden im Hals auf eine Dysphagie zurückzuführen, können Mediziner:innen Ihrem Angehörigen eine logopädische Therapie vorschlagen. Dabei geht es unter anderem darum, die entsprechende Muskulatur zu stärken und bestimmte Schlucktechniken zu erlernen. Vereinzelt gibt es auch Medikamente und Neurostimulationsverfahren, eine allgemeingültige Empfehlung dafür gibt es aber bislang nicht.

Schluckbeschwerden in der Speiseröhre: 5 Soforttipps bei Dysphagie

Zwar sind die Behandlungsverfahren bei einer Schluckstörung begrenzt, als Angehöriger können Sie Ihr Familienmitglied aber tatkräftig unterstützen. Das klappt mit folgenden Tipps:

  1. Sorgen Sie für eine gute Atmosphäre, indem Sie Ihrem Angehörigen zu einer aufrechten Position verhelfen, eine ruhige Umgebung schaffen und eine Esskultur mit allen Sinnen ermöglichen – bei Bedarf dürfen Zahnprothesen, Brille und Hörgeräte nicht fehlen.
  2. Bereiten Sie Speisen zu, die das Risiko für ein Verschlucken reduzieren, breiförmige Mahlzeiten sind besonders geeignet, Getränke werden am besten angedickt.
  3. Fordern Sie Ihren Angehörigen während des Essens nicht zum Reden auf, damit sich dieser ganz auf seine Mahlzeit konzentrieren kann.
  4. Nach jedem Bissen sollte der Mund zum Kauen geschlossen werden, ganz wichtig: Ihr Familienmitglied bestimmt das Essenstempo.
  5. Führen Sie nach den Mahlzeiten eine eingehende Mundpflege durch, gelangen doch etwas Speichel und Co. in die Lunge, ist so die Gefahr für eine Infektion geringer.

FAQ – Häufige Fragen zu Schluckbeschwerden

Harmlose Infekte und Mandelentzündungen können zu Schluckbeschwerden führen. Eine Dysphagie, die ebenfalls mit Schluckbeschwerden in Verbindung steht, kann durch eine Demenz, einen Schlaganfall, eine Parkinsonerkrankung und vieles mehr verursacht werden.

Laut Statistik besitzt jeder fünfte Mensch ab dem 55. Lebensjahr eine Schluckstörung. Häufig trifft das auf Pflegebedürftige zu, die aufgrund von Alterungsprozessen oder durch erworbene Erkrankungen Probleme beim Schlucken haben.

Da Schluckbeschwerden weitreichende Folgen haben können, wie eine Mangelernährung oder eine Dehydration, sollten sich Betroffene bei langanhaltenden oder intensiven Schluckbeschwerden in jedem Fall bei ihrem Hausarzt oder ihrer Hausärztin vorstellen.

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Dipl. Ges. Oec. (FH) Jennifer Ann Steinort
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Über unsere Autor:innen

Jennifer Ann Steinort ist Autorin bei den Pflegehelden. Sie verfasst Ratgeber, die Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen Tipps für den Pflegealltag vermitteln. Ihre Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Finanzierung, Pflegemaßnahmen und Wohlbefinden. Ihr persönliches Anliegen ist, selbst komplexe Sachverhalte leserfreundlich zu formulieren.

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